“Bekommt man eine Nickel-Allergie durch Piercingschmuck?”

Die Frage nach einer möglichen Nickel-Allergie durch Piercingschmuck hören wir sehr oft. Vorab geben wir an dieser Stelle gerne Entwarnung: Bei uns im Tempel München Piercingstudio gibt es keinen Schmuck der Nickel-Allergien auslöst! Aber wie verhält es sich mit Piercingschmuck im Allgemeinen? Was ist enthalten? Was ist erlaubt? Und welche Risiken gibt es? Wir fangen von Vorne an und bringen ein Wenig Licht ins Dunkel:

Was genau ist eine Nickel-Allergie überhaupt?

Eine Nickelallergie ist eine Kontaktallergie. Sie kann quasi aus dem Nichts heraus auftreten, auch und obwohl Kontakt zu Nickelhaltigen Materialien nie ein Problem darstellte. Die Folgen sind Jucken, Rötungen und Nässen der betreffenden und umgebenden Hautpartien. Erfolgt nicht umgehend eine Reaktion sind auch Kontaktekzeme möglich.

Was löst eine Nickel-Allergie aus?

Wissenschaftlich und dennoch (hoffentlich) verständlich erklärt: Kommt ein Nickelhaltiges Objekt mit Schweiß in Berührung, setzt es Nickelsalze frei. Diese Nickelsalze nimmt der Körper bei Kontakt auf. Hier macht die Dosis das Gift: Mit diesen Nickelsalzen reagiert ein in der Haut enthaltenes Eiweiß. Hier setzt sich unter Umständen eine Kettenreaktion in Gang, die zu den oben genannten Symptomen führt. Manchmal genügt schon eine kleine Dosis, manchmal passiert gar nichts. Uhren, Brillengestelle und Schmuck können Auslöser sein. Piercingschmuck aus entsprechenden Materialien ist natürlich einem sehr intensiven Hautkontakt ausgesetzt und daher erheblich gefährlicher.

Die Ohrlochpistole und eine ihrer Tücken – Die Nickel-Allergie durch Piercingschmuck

Besonders Schmuck mit dem die Ohrlochpistole “geladen” wird ist sehr oft von minderer Qualität. Neben dem traumatischen Effekt den das Schießen von Ohrlöchern (wie in diesem Video erklärt) hervorruft, sind allergische Reaktionen oftmals ein unerwünschter Nebeneffekt. Das Schießen von Ohrlöchern lässt sich in Juwelierläden, Friseursalons oder auch Drogerien ohnehin kaum mit der Hygieneverordnung vereinbaren. Der Trend geht inzwischen Gott sei Dank stark dazu, Ohrlöcher auch in Piercingstudios stechen zu lassen. Das ist selbstverständlich auch bei uns im Tempel München möglich, Termine können hier auf dem kleinen blauen Button gebucht werden.

Richtlinien, Grenzwerte und rechtliche Vorgaben in der EU

Bereits 1994 trat die Richtlinie 94/27/EG in Kraft, die einen Grenzwert von 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter Fläche pro Woche vorsieht. Bei Piercingschmuck liegt der Grenzwert sogar bei 0,2 Mikrogramm je Quadratzentimeter Haut pro Woche!

Hier ist nicht der Nickelgehalt einer Legierung sondern deren Abgabe an Nickelsalzen gemeint – dieses Detail ist wichtig! Diese Richtlinie betrifft nicht nur Nickel und Piercingschmuck.

Später wurde diese Richtlinie durch die REACH-Verordnung ersetzt. Das sollte später auch noch für reichlich Chaos im Tattoofarbensektor sorgen. Dazu haben wir jedoch an anderer Stelle schon sehr viel geschrieben und auf dem Instagramaccount von Safe the Pigments finden sich dazu aktuelle Informationen. Diese Verordnung mag daher nicht in allen Punkten unbestritten sein, jedoch im Bezug auf das “Nickelverbot” sind die Ergebnisse unbestritten. Das belegen folgende Zahlen unserer Meinung nach sehr eindrucksvoll:

Der Grenzwert und seine Folgen bis ins Jahr 2010

1995 waren in Deutschland noch ca. 35 Prozent der Frauen bis 30 von einer Nickelallergie betroffen. Bis 2010 ist diese Zahl auf etwa 15% mit weiterhin Rückläufiger Tendenz gesunken. Bei Männern bis 30 sank der Anteil der Betroffenen von 10% auf etwa 5%. Erhoben haben diese Zahlen Forscher vom District General Hospital in Rotherham, Großbritannien in 2013.

Bei Menschen über 30 stieg die Zahl leicht an, was mutmaßlich dem Umstand geschuldet ist dass hier die meisten Betroffenen ihre Allergie bereits vor dem Inkrafttreten der Richtlinie entwickelten. Und eine Nickelallergie ist nicht heilbar.

Wie ist die Entwicklung außerhalb der EU verlaufen?

In den USA beispielsweise sind die Zahlen der Nickel-Allergien weiter angestiegen, während sie in der EU im genannten Zeitraum zurückging. Ein Zusammenhang mit der Richtlinie ist daher stark anzunehmen. Insbesondere eine Nickel-Allergie durch Piercingschmuck dürfte hier häufig ausschlaggebend sein.