KlartextNewsTattoos & Szene

Seit ein paar Tagen geistert das hier gezeigte Tattoo durch´s Netz – und wer sich denkt „so doof kann einer gar nicht sein“, dem sei gesagt: von dieser Sorte laufen noch viel, viel mehr durch die Gegend, aber der Reihe nach:

Dass wir Minderjährige nicht tätowieren – bekannt. Dass wir jungen Menschen ohne Tattooerfahrung keine Tattoos auf Gesicht, Hals und Hände machen (Nein, ein kleiner Tattoo-Schriftzug am Finger ist nicht dezent und Du wirst ihn auch nicht den Rest Deines Lebens täglich in der Arbeit mit Make up abdecken) – ebenso. Nazis, Zahlencode-Fetischisten etc suchen sich für ihre Vorlieben ebenfalls besser ein anderes Studio – auch kein großes Geheimnis.

Wie schaut es mit Partnertätowierungen aus? Sophia Thomalla mit ihrem Portrait von Rammstein-Sänger Till Lindemann oder auch Florian Silbereisen mit seinem Helene-Fischer-Portrait sind prominente Beispiele dafür, dass das Tattoo meistens länger hält als die Partnerschaft – wie sollen wir also mit solchen Wünschen umgehen? Ablehnen (und damit den Kunden an ein anderes Tattoostudio schicken) oder wider besseren Gewissens das Partnertattoo machen? Inzwischen sind wir dazu übergegangen, dass verheiratete ihr Partnertattoo bei uns bekommen – erst wenigen Monaten frisch verliebten raten wir zumindest dringend ab. Meistens hilft das.

Bleiben noch Entschuldigungs-Tattoos wie das obere: Ja, solche Sachen hatten wir auch schon desöfteren: Da steht ein Pärchen vor uns, sie eingeschüchtert und er bestimmt, dass sie sich „XXXX es tut mir so leid dass ich dich verarscht habe“ auf den Oberarm tätowieren lassen soll – haben wir abgelehnt. Oder ein Pärchen wo es eher andersrum war: Die Frau erklärte uns bestimmt, dass wir ihm Schwangerschaftsstreifen tätowieren sollen – Begründung: „das gemeinsame Kind hätte ihren Körper zerstört, er solle gefälligst mitleiden“ – auch das haben wir abgelehnt (und ihr angeboten, ihre Schwangerschaftsstreifen überzutätowieren – aber das wollte sie nicht)… Beispiele wie diese hätte ich an dieser Stelle noch einige.

Ein Tattoo soll Freude bereiten, ein Tattoo soll Dich verschönern, es soll Dich schmücken. Es kann eine Narbe kaschieren, die Erinnerung an etwas schönes oder trauriges ausdrücken, es kann auch einfach nur geil ausschauen – meinetwegen auch die Liebe zu einem Mensch, Tier oder Fußballverein ausdrücken – aber ein Tattoo ist eine denkbar schlechte Idee, um demütig irgendjemanden um Verzeihung zu bitten – wer so etwas von euch verlangt, ist sowieso früher oder später aus eurem Leben verschwunden, das Tattoo hingegen bleibt.

Stephan Tempel