Stellungnahme des Vereins Tätowierkunst e.V. zum geplanten Befähigungsnachweis für Tätowierer des Bundesverband Tattoo
Der Verein Tätowierkunst e.V. hat eine Stellungnahme zum vom Bundesverband Tattoo vorgeschlagenen Befähigungsnachweis auf Facebook veröffentlicht.
In dieser Stellungnahme erläutert der Verein seine Sicht auf das Konzept, die möglichen Auswirkungen auf die Branche und nennt Gründe für die geäußerte Kritik.
Hier die wichtigsten Inhalte im Überblick:
Einordnung des Befähigungsnachweises
Laut dem Statement sieht der Verein Tätowierkunst e.V. den geplanten Befähigungsnachweis als ein Instrument, das Studios nach vom Verband definierten Kriterien bewerten und zertifizieren soll.
Diese Kriterien werden (aus Sicht von Tätowierkunst e.V.) jedoch als selbst auferlegte, nicht staatlich regulierte Maßstäbe beschrieben. Es wird in Frage gestellt, ob ein solches Zertifikat ein objektives und / oder allgemein anerkanntes Qualitätsmerkmal darstellen kann.
Bestehende rechtliche und hygienische Standards
Ein zentraler Punkt des Statements betrifft die bereits geltenden gesetzlichen Vorgaben:
• Professionelle Tattoostudios in Deutschland unterliegen bereits festen Hygienevorschriften.
• Die Einhaltung würden regelmäßig durch die örtlichen Gesundheitsämter kontrolliert.
• Produkte, Arbeitsabläufe und Hygienemaßnahmen seien bereits klar geregelt.
Der Verein betont, dass diese bestehenden Kontrollen kontinuierlich stattfinden, während der geplante Befähigungsnachweis lediglich eine einmalige Prüfung vorsieht.
Vor diesem Hintergrund bezweifelt der Verein einen zusätzlichen Sicherheits- oder Qualitätsgewinn.
Einschätzung zu Schwarzarbeit
Das Statement geht auch auf das Argument ein, ein Befähigungsnachweis könne Schwarzarbeit eindämmen. Der Verein führt aus, dass Tätowierungen im privaten Umfeld – trotz höherer Risiken – weder durch ein Zertifikat noch durch staatliche Kontrollen vollständig zu verhindern seien.
Die Problematik sei bekannt, aber durch freiwillige Nachweise nicht realistisch zu lösen.
Wirtschaftliche Situation der Branche
Ein weiterer Schwerpunkt des Statements betrifft die aktuelle Lage vieler Tätowierender und Studios:
• steigende Mieten und Lebenshaltungskosten,
• höhere Betriebsausgaben wie Material- und Energiepreise,
• Veränderungen durch Onlinehandel, über den Tattoo-Equipment leichter verfügbar ist.
Der Verein beschreibt, dass es für einige Studios bereits schwierig sei, wirtschaftlich zu arbeiten. Zusätzliche Prüfgebühren oder Anforderungen könnten nach Einschätzung der Autoren daher eine weitere Belastung darstellen.
Aspekte von Freiheit, Regulierung und künstlerischer Vielfalt
Das Statement betont, dass Kundinnen und Kunden in einer freien Gesellschaft selbst entscheiden können, wo sie sich tätowieren lassen möchten.
Zudem verweist der Verein darauf, dass im Bereich Tattooing bereits umfangreiche Regulierungen (z. B. durch REACH) bestehen und diese zum Teil eher Schaden angerichtet als etwas verbessert hätten.
Darüber hinaus wird die Sorge geäußert, dass ein Befähigungsnachweis eine Art interne Klassifizierung in der Tattoobranche schaffen könnte. Dies könnte nach Auffassung der Autoren Einfluss auf künstlerische Freiheit, wirtschaftliche Chancengleichheit und die Vielfalt der Studiolandschaft haben.
Fazit der Stellungnahme
Der Verein Tätowierkunst e.V. kommt in seiner Veröffentlichung zu dem Schluss, dass der geplante Befähigungsnachweis viele bestehende Probleme der Branche nicht lösen kann und möglicherweise neue Herausforderungen schafft.
Die Autoren betonen, dass sie das Konzept kritisch sehen und dass auch andere Branchenakteure ähnliche Bedenken geäußert haben.
