Neuseeland Tattoo Convention 2013 – von München aus um die halbe Welt

Exakt vor zehn Jahren flog der Tempel München um die halbe Welt zur Tattoo Convention nach Neuseeland. Der Rückblick

24. November 2023 News
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Neuseeland Tattoo Convention – von München aus um die halbe Welt

Anfang des Jahres 2013 flatterte eine Einladung zu einer Tattoo Convention ins Haus, die man getrost als „nicht alltäglich“ bezeichnen kann. Eine Tattoo Messe in Neuseeland, genauer gesagt das „NZ Tattoo & Art Festival“ in New Plymouth lud uns ein.

Neuseeland - Brutal weit und brutaler Jetlag

Ungefähr 18600 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem Tempel München und der Tattoo-Convention in New Plymouth. Das bedeutet 30-40 Stunden Reisezeit und je nach Jahreszeit zwischen 10 und 12 Stunden Zeitverschiebung. Als jemand der den Jetlag üblicherweise höllisch merkt, hatte ich davor einen gehörigen Respekt und so plante ich die Reise mit ein paar Tagen Zwischenstop in Bangkok.

Ein paar Tage Thailand schaden bekanntlich nie und so wollte ich dafür sorgen, etwas besser akklimatisiert in Neuseeland anzukommen und dem Jetlag ein Schnäppchen schlagen.

Tätowieren – für Tätowierer aus dem Ausland in Australien / Neuseeland nicht so ganz einfach

Dass es für Tätowierer bei der Einreise nach Australien bzw. Neuseeland öfters Probleme gibt war bekannt, ein Arbeitsvisum für die paar Tage zu beschaffen unnötig viel Aufwand. Also wurde nur die Rotary-Tattoomaschine eingepackt – im Handgepäck sollte diese bei der Einreise eher wie ein Vibrator aussehen – und alles andere Zubehör wollten wir vor Ort kaufen.

Nur mit der Tattoomaschine wäre das nicht praktikabel gewesen – diese waren 2013 am anderen Ende der Welt ungefähr doppelt so teuer wie bei uns in Europa und hätten mal eben rund 1500,- Euro gekostet. Ein unnötig teurer Spaß.

24 Stunden Anreise und dann ist erst mal das Gepäck verschwunden

Über Dubai ging es nach Bangkok und nach drei Tagen dort dann weiter nach Sydney mit einem 10 Stunden-Flug – dort lief uns der erste bekannte Tätowierer aus Deutschland in die Arme. So verging die Wartezeit bis zum Anschlussflug schneller und nach weiteren 3,5 Stunden Flug waren wir dann immerhin schon einmal in Auckland und somit Neuseeland. Jetzt sollte es nur noch einmal drei Stunden dauern, ehe wir den einstündigen Flug nach New Plymouth antreten konnten.

Rund 24 Stunden nach dem wir unser Hotel in Bangkok verlassen hatten waren wir dann endlich an unserem Bestimmungsort angekommen – und stellten erst einmal fest, dass es nur die Hälfte unseres Gepäcks geschafft hatte. Mein Koffer war irgendwo unterwegs stecken geblieben und so standen wir noch etwas bei der Gepäckermittlung und bekamen ein Quantas-Care-Set bestehend aus Jogginghose, Shirt und ein paar Hygieneartikeln und konnten endlich den Weg ins Hotel antreten.

Jetlag, Linksverkehr und jede Menge Sehenswürdigkeiten in Neuseeland

Der Plan, den Jetlag abzumildern hatte nur bei 50% von uns funktioniert. Bei Julia war er quasi nicht vorhanden – sie war sofort in der richtigen Zeit. Ich lief in der gesamten Zeit wie Falschgeld herum, schleppte mich mit Unmengen Energy-Drinks halbwegs durch den Tag und steuerte unser Auto mehr schlecht als recht durch den Neuseeländischen Linksverkehr.



Wir besichtigten ein paar Sehenswürdigkeiten die den Bildern nach wohl ganz schön waren, aber Erinnerung hab ich nicht viel daran – die nächsten drei Tage bzw. die gesamte Zeit war für mich einfach die Hölle.

Einen guten Tag später kam zwar mein Koffer endlich an, aber gegen die permanente Müdigkeit halfen auch keine neuen Klamotten.

Wenn ich dann Abends um 18:00 Uhr total übermüdet einschlief, war ich um 19:30 Uhr wieder hellwach für die nächsten zwei Stunden. So ging es durch die Tage, ehe es zum Hauptgrund der Reise kam:

New Zealand / NZ Tattoo & Art Festival 2013, 23. – 24.11.2023, New Plymouth

Zum dritten Mal fand das NZ Tattoo & Art Festival im Jahre 2013 statt und war damals schon eines der bedeutendsten Tattoo-Events in Australasien.

Es kamen Tätowierer aus den USA, Taiwan, ganz Neuseeland und Australien und auch einige aus Deutschland. So z.B. Constantin Ink aus Dresden oder Randy Engelhard.

Julia vom Tempel München – schon im Vorfeld in Neuseeland ausgebucht

Ein wesentlicher Teil der Messe war für uns schon vorab erledigt: Julia war schon im Vorfeld ausgebucht – Veranstalter Brent Taylor hatte ordentlich Werbung für die Gäste aus Deutschland gemacht und Julias Tattoos fanden auch am anderen Ende der Welt begeisterte Abnehmer.

Als wir das TSB Stadium in New Plymouth erreichten und unseren Stand bezogen wollten, gab es beim Check-In die erste große Überraschung:



„Ihr seid doch vom Tempel München“ sagte uns das Mädchen an der Registration auf deutsch. Die Auflösung folgte schnell – wir hatten ein paar Jahre zuvor ihren Vater tätowiert und sie war mit „Work & Travel“ dort für ein Jahr unterwegs. Ein witziger Zufall.

Das Festival war einfach nur überwältigend. Neben Tattoos – mit einer komplett anderen Ausrichtung als bei den Messen in Deutschland – gab es auch BMX-Shows, Hüpfburgen für Kinder, Live-Musik und Ausstellungen über Tattoos.

Natürlich sah man einige beeindruckende Maori-Tattoos – allerdings wirklich nur auf Leuten, bei denen wir auf „indigene Bevölkerungsgruppe“ getippt hätten, also die ursprünglichen polynesischen Einwohner Neuseelands.

Ansonsten hatten die meisten Tätowierer Traditional / Neotraditional – Wanna-Do´s ausliegen und diese fanden auch bereitwillig Abnehmer. An allen Ecken und Enden der Halle surrten die Maschinen. Tatsächlich „surrten“ – die meisten Tätowierer arbeiteten damals noch mit Coil-Tattoomaschinen, vor allem dort.

Julia vom Tempel München - mit provisorischem Tattoostand auf der Messe

Wer unsere sonstigen Stände auf Messen kennt, wundert sich vielleicht warum dieser Stand so improvisiert ausschaut. Um bei der Einreise nicht unnötig aufzufallen, hatten wir auch keinerlei Banner etc. mit dabei, sondern druckten vor Ort lediglich einige Fotos etwas größer aus.

Das störte ihre Kunden jedoch nicht im geringsten. Alle Termine wurden eingehalten und so bekamen einige Tattoobegeisterte aus Neuseeland ein Tattoo von einer Tätowiererin von der anderen Seite der Erdkugel.



Die ganze Tattoomessse war einfach nur riesig. Laut, voll, international. Überall richtig starke Tätowierer mit ihren Stilrichtungen, dazu Tattoofans – ein buntes Gemisch aus der ganzen Welt. Und mittendrinnen wir – zumindest ich komplett übermüdet, innerlich irgendwo zwischen Euphorie und totaler Erschöpfung.



Dennoch voller Adrenalin und sehr beeindruckt, wie professionell und eventorientiert die gesamte Convention aufgebaut war. Während viele Messen die wir bereist hatten eher klassisch und „Szene-Intern“ waren, war das schon ein internationales Lifestyle-Event. Wer dort war und Augen hatte der sah, wohin sich die ganze Szene bzw. Branche entwickeln würde.

Gute Nachrichten aus der Heimat - Julia wird zweitbeste Nachwuchstätowiererin Deutschland 2013

Aus der Heimat erreichten uns zudem noch gute Nachrichten am anderen Ende der Welt: Julia hatte beim großen Tätowierer-Nachwuchscontest vom Tätowiermagazin einen hervorragenden zweiten Platz belegt. Doch das sollte dann erst daheim dann wieder gebührend gefeiert werden.

Die Reise – mehr als nur eine Convention

Die Reise ans andere Welt war etwas besonderes. Sie war eine Erfahrung, die uns gezeigt hat wie groß die internationale Tattoo-Welt eigentlich ist. Und nicht zuletzt, dass der Tempel München auch auf der anderen Seite des Planeten wahrgenommen wird.

Der Horror-Heimflug nach München

Nachdem die Messe die letzten Energiereserven aus meinem Körper gesogen hatte, ging es wieder nach Hause. Von New Plymouth nach Auckland – und von dort eigentlich direkt nach Dubai.

Allerdings legte das Flugzeug nach vier Stunden Flug in Melbourne einen geplanten Zwischenstopp ein. Warum alle Passagiere dort verlassen mussten bevor es wieder an Bord ging war nicht nachvollziehbar – mir war es egal, ich hatte im Flugzeug jede Minute geschlafen, schleppte mich wie ein Zombie durch den Flughafen in Melbourne bevor ich den 14-stündigen Flug von Melbourne nach Dubai auch komplett verschlief.

Hätte Julia mir nicht alle paar Stunden (angeblich ;)) etwas Wasser eingeflößt wäre ich vermutlich ausgetrocknet, mein Körper war einfach am Ende.

Von Dubai nach München war es dann nur noch ein sechsstündiger Katzensprung via Flugzeug und schon waren wir wieder zu Hause.

Anstrengend war es, aber sehr beeindruckend. Und unvergesslich. Nur dass wir noch einmal für eine Tattooconvention so weit fliegen werden, ist dann doch eher unwahrscheinlich.