Der ganz normale Wahnsinn rund um eine Tattoo-Convention - heute am Beispiel unserer Reise nach Berlin
Wenn wir mit dem Tempel auf Reisen gehen, dann versuche ich das immer so komfortabel bei gleichzeitiger Zeit- und Geldersparnis zu machen. Klingt erst einmal logisch, ist aber nicht immer ganz einfach.
Zur wahren Herausforderung wird es jedoch, wenn man dabei noch Tätowierer, ihre Kunden und evtl. Krankheiten einplanen muss. Nicht alles lässt sich planen, aber gute Planung macht das Leben leichter. Aber nur bis ein paar Tage vor der Tattoo Convention - denn dann kommen ein paar unvorhergesehene Ereignisse. Dann darf man alles wieder umplanen.
Berlin - eigentlich ganz gut geplant. Doch erstens kommt es anders....
Wie jetzt bei unserer Reise zur Tattooconvention-Berlin. (wobei die Convention selber da herzlich wenig dafür kann)
Es war Anfang März, wir hatten die Bestätigung der Tattooconvention Berlin über unsere erfolgreiche Bewerbung für einen Standplatz gerade bekommen und noch fast fünf Monate Zeit bis zur Messe. Wie immer nach erfolgreicher Bestätigung checkte ich die günstigsten Varianten:
Flugzeug? Eher doof - zumindest wenn man einiges an Tattooequipment mitnehmen möchte. Zudem - wenn man von Freitag auf Sonntag fliegt auch nicht wirklich günstig.
Auto? Brrrr…. Da sind wir schon so oft auf dieser Strecke im Stau gestanden. Zudem - wenn man zu dritt oder viert fährt mit einem Auto plus Equipment kaum machbar – und auch immer evtl. anstrengend. Vor allem die Heimfahrt am Sonntag Abend nach einem Tattoo-Convention Wochenende von Berlin nach München. Wir werden ja schließlich nicht jünger...
Zug? Klingt erst einmal nicht schlecht. Wenig Gepäckbeschränkungen, der ICE fährt inzwischen in vier Stunden nach Berlin, die Zeit schaffe ich vom Tempel aus (von Stadtzentrum zu Stadtzentrum) nicht einmal mit dem Flieger… da geht ein Zug morgens um sieben hin und ist kurz nach elf da – und Sonntag Abend um kurz nach acht zurück und man ist um Mitternacht wieder in München… spart 1-2 Übernachtungen im Hotel und auch Zeit ist ja bekanntlich Geld.
Also schön die Sparpreise für uns herausgesucht und den Zug gebucht, das Hotel noch dazu und die nächsten 4,5 Monate war das Thema Tattooconvention Berlin für mich abgehakt. Zwischendrinnen waren wir noch auf der Frankfurter Messe, das hatte sehr gut geklappt – also sollte auch Berlin kein Thema sein. Eigentlich.
Dann kamen für zwei unserer Tätowierer zwei Rückenprojekte rein, wofür Tattooliegen grundsätzlich von Vorteil wären. Annika flog noch dazu mit Kind & Kegel, was den Spielraum für Equipemt zusätzlich einschränken würde. Wer schon einmal mit einem Kleinkind geflogen ist, der weiß was ich meine.
Waren die Tätowierer im März vom Zug noch begeistert, fanden sie ihn jetzt plötzlich doof. Mit dem Auto wäre man flexibler, könnte das Gepäck mitnehmen und wenn man Freitag früh zeit losfährt, ist man ja locker in fünf Stunden oben.... so zumindest ihre Aussagen.
Nach einiger Diskussion - ich gab zu bedenken, dass man im Flieger auch keine Liegen transportieren könnte und man es auf internationalen Messen auch immer schafft die Leute zu tätowieren und nicht zuletzt, dass die Autobahn Freitags eine Staufalle ist - gab ich auf.
Ich gab unseren Spar-Preis zurück, holte mir aus privaten Gründen für drei Monate eine Probe-Bahncard 100 und beschloss, die anderen einfach mit dem Auto ihr Glück versuchen zu lassen.
So ging es also via ursprünglich geplanten Zug in 4 Stunden 30 Minuten in die Hauptstadt, wobei die Zeit von Haus zu Haus auch eher in Richtung 6 Stunden ging aber ich die Zeit im Zug gut zum arbeiten nutzen konnte.
Immer mal wieder bekam ich Nachrichten von der Autobesatzung: Die war etwas zu spät losgekommen und ein Tätowierer musste unbedingt als erstes zum Frühstücken, was die Abfahrt weiter verzögerte.
Ich war zwischenzeitlich in Berlin angekommen, hatte unsere Hotel-Zimmer klargemacht und begab mich auf den Weg zur Messe. Annika war schon da, aber von der Autobesatzung weit- und breit keine Spur. Diese kam, nachdem die Messe schon eine Stunde lief.
Sagenhafte 8,5 Stunden hatten sie gebraucht und erklärten mir "Unglaublich, was Freitag auf dieser Autobahn los ist".
Ich war kurz vor´m explodieren: Ein Messestand für zwei Tätowierer kostet mal eben ´nen lockeren Tausender. Drei Hotelzimmer schlagen für die Messe mit weiteren 600,- Euro zu buche. Dazu noch Sprit, Flug- und Zug sowie die verlorenen Arbeitstage durch die An- und Abreise. Zum Schluss kostet so eine Messe einfach zwischen 3000 und 400 Euro und verursacht jede Menge Arbeit und Stress.
Dann macht man natürlich genau das Gegenteil von dem was ich empfohlen habe - und schafft es nicht einmal pünktlich zur Messe. Einfach nur nervig.
Was auf der Messe so geboten war, könnt ihr hier nachlesen: 29. Tattooconvention Berlin
Am Sonntag Nachmittag kamen dann noch die Autofahrer auf mich zu: Die Messe wäre so anstrengend, sie würden gerne noch eine Nacht im Hotel bleiben und am nächsten Tag zurückfahren. Natürlich nachdem man mir zwei Wochen zuvor in München noch versichert hätte, dass der Katzensprung von Berlin nach München nach der Messe überhaupt kein Problem wäre...
Natürlich durften sie noch eine Nacht oben bleiben. Diese Nacht dann auf eigene Kosten, versteht sich ;).
Stephan Tempel
