Künstliche Intelligenz im Tattoo Studio – ja oder nein?
Vor ein paar Wochen haben wir unter einem Beitrag von uns auf Instagram ein paar wenig freundliche Kommentare bekommen. Einige User waren ziemlich erbost darüber, dass in unserem Feed einige mit KI erstellte Bilder aufgetaucht sind.
Ein User schrieb uns gar, dass er sich eigentlich bei uns im Tempel München tätowieren lassen wollte – aber davon jetzt Abstand nehmen würde. Er könne kein Tattoostudio unterstützen, dass diese Technik unterstützt.
Wo ist KI im Tattoo Studio in Ordnung – und wo nicht?
Auch wenn uns die Aussage „deswegen nicht zu uns zu kommen“ natürlich traurig gemacht hat, so finden wir es grundsätzlich verdammt cool, dass es noch Kunden gibt, die eine mit Hand erstellte Vorlage zu schätzen wissen bzw. sogar Wert darauf legen. Ehrlich.
Allerdings ging es bei den von uns geposteten Bildern nicht um Tattoo-Vorlagen – sondern um Illustrations-Bilder für unsere Artikel.
Diese Artikel erstellen wir neben unserer eigentlichen Arbeit. Dabei präsentieren wir News aus der Welt der Tattoos, die für unsere Mitarbeiter, aber auch für Kollegen und Kunden interessant und hilfreich sind.
Angefangen haben wir damit übrigens schon vor ein paar Jahren, als der große Wirbel um die Tattoo-Farben und REACH war.
Nicht, weil wir nichts anderes zu tun hätten. Sondern, weil uns bzw. mich als Verfasser dieses Artikels relativ viele Kollegen angerufen und gefragt haben, wie wir denn damit umgehen würden. Während Corona und den damit verbundenen Maßnahmen war es ähnlich – nur noch viel schlimmer bzw. mehr.
In (s)einem früheren Leben hat der Stephan nämlich Recht gelernt…
Man sieht es mir vielleicht nicht auf den ersten Blick an, aber ich habe früher im öffentlichen Dienst gearbeitet und davor eine entsprechende Ausbildung genossen. Verwaltungsrecht. Verwaltungsverfahrensrecht. Bürgerliches Gesetzbuch. Staats- und Verfassungsrecht. etc…
…und egal wie “pervers” das klingt und viele finden das nahezu unglaublich: Ich fand und finde das spannend und interessant. Außerdem sehr hilfreich, sowohl im Privatleben und erst Recht als Geschäftsführer einer GmbH die wir mittlerweile sind.
Ich knie mich in diese Themen rein, was insbesondere in der Corona-Zeit und den damit verbundenen Auflagen für uns und viele Tätowierer sehr hilfreich war.
Bevor ich also am Telefon und im Studio immer wieder das gleiche erzähle, schreibe ich es lieber einmal auf. Das ist unter´m Strich deutlich weniger Arbeit für mich. Und erreicht auf diese Weise noch mehr Leute. Ein klassisches Win-Win.
Doch zurück zum Thema – KI im Tattoo Studio
Früher habe ich die Illustrations-Bilder via Foto erstellt oder am Photoshop – und mir ehrlich gesagt keine großen Gedanken darum gemacht. Da musste halt ein Foto rein, damit das Feld neben dem Text auf unserer Homepage nicht leer ist. Lästig.
Seit rund zwei Jahren nutze ich immer öfter die KI dafür.
Wofür eigentlich? Für Illustrations-Bilder. Für Artikel, die maximal ein paar hundert Leute lesen und die nach wenigen Stunden schon wieder in den ewigen Weiten des www verschwunden sind.
KI wird von mir nicht für die Erstellung von Tattoos oder Vorlagen für Tattoos genutzt
Ich nutze sie NICHT für Tattoos, die andere Menschen für den Rest ihres Lebens auf der Haut tragen. Das ist eine ganz andere Baustelle und ich bin froh, dass unsere Tätowiererinnen und Tätowierer im Tempel München ihre Vorlagen selber zeichnen oder beim Kunden gleich direkt auf die Haut aufmalen.
Persönlich (!) bevorzuge ich nämlich bei einem Tattoo die künstlerische Arbeit.
Stundenlanges Zeichnen für Illustrations-Bilder für Artikel – einfach nicht leistbar.
Es ist schlicht und ergreifend nicht leistbar, für jeden dieser Artikel den ich in meiner Freizeit erstelle noch ein paar Stunden oder gar Tage in ein Illustrations-Bildchen zu stecken. Ehrlich gesagt sehe ich auch in diesem Bereich die Notwendigkeit nicht.
Das hat davor kein Mensch für mich gemacht, es ist niemand durch eine KI ersetzt worden.
Und es würde auch kein Mensch Geld in diesem Fall damit verdienen, wenn es das KI Bildchen nicht gäbe. Denn – wie Anfangs bereits erwähnt – habe ja ansonsten ich selber mit Fotoapparat oder Photoshop mir etwas zusammengebastelt.
Die Diskussion über KI im Tattoo-Studio ist ohnehin schwierig, denn wo zieht man die Grenze?
Noch vor einigen Jahren war der Einsatz von Grafik-Tabletts bei den meisten Tätowierern ein No-Go – es durfte nach Ansicht von vieler nur von Hand gezeichnet werden.
Heute findet man kaum mehr jemanden, der seine Vorlagen nicht via Ipad und Photoshop erstellt. Denn – Überraschung – kaum sind diese Dinger für jedermann erschwinglich und bedienbar geworden, fanden´s die meisten Tätowierer auf einmal doch ganz praktisch. Und Oldschool per Hand eher doof.
Ähnlich war und ist es übrigens mit vielen technischen Innovationen, quer durch die ganze Menschheit.
Erst die Handies und dann die Smartphones sind Musterbeispiele dafür. Oder in der Tattoo-Branche der Einsatz von Rotary-Maschinen. Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, aber auch das war vor rund 15 Jahren ein heißes Thema…
Was ist eigentlich Kunst bei Tattoos und was eigene künstlerische Arbeit?
Die meisten Realistic-Tattoo-Artists bedienen sich ohnehin schamlos bei den Fotos im Netz die andere fotografiert haben, natürlich ohne dafür zu bezahlen. Und werden dafür als „Künstler“ gefeiert.
Neo-Traditional ist sehr oft ein Foto aus dem Netz genommen und am Ipad mit ein paar Klicks entsprechend verändert. Ist das dann „Kunst“?
Sind Vorlagen aus dem Vorlagenbuch ok, aber aus Pinterest doof? Darf man Schriften verwenden, die man aus Word oder DaFont hat? Oder sollte man jede Schrift selber entwerfen, natürlich nur 1 x je Kunde? Über diese Themen könnte man ewig diskutieren.
Für mich persönlich ist die klare Grenze die nicht überschritten werden darf „Copycat“. Alles andere sehe ich inzwischen relativ entspannt, denn die Realität im Tattoo-Studio ist ohnehin eine ganz andere: Immer mehr Kunden kommen mit einer Vorlage, die sie sich via KI haben erstellen lassen.
Steinigt mich dafür – aber das ist mir immer noch lieber, als x-mal am Tag den selben Schmetterling oder Löwenkopf aus Pinterest gezeigt zu bekommen. Insbesondere, weil man dem Kunden daraus ja gerne ein Unikat zaubern würde, aber der das oftmals genau so haben will. Und nun? Bei einer KI-Vorlage hat er sich wenigstens selber Gedanken / etwas Arbeit gemacht.
In der Tattoo-Szene ist derzeit massiv Bewegung. Viele Sachen haben sich in den letzten 10 Jahren geändert und verändern sich weiterhin in Atemberaubender Geschwindigkeit.
KI-Bildchen, die der Stephan zur Illustration von Artikeln verwendet, sind da noch das kleinste Problem. Ganz sicher.
Btw: dieser Text wurde zu 100% von Hand und ohne KI geschrieben. Das ist nämlich ein weiteres (perverses) Hobby von mir: das Schreiben.



